Syrischer Blogger inhaftiert

März 4, 2008

Osama Edward Mousa ist ein assyrischer, d.h. syrisch-christlicher, Journalist, Blogger und Menschenrechtsaktivist. Laut Mideast Youth ((Mideast Youth » Assyrian blogger arrested in Syria)) wurde Mousa am 27. Februar von syrischen Sicherheitskräften verhaftet. Seitdem gibt es keine Nachrichten von ihm. Allerdings scheint es, als würde er in der Hauptstadt Damaskus gefangen gehalten. Seine Familie befürchtet, das Mousa im Gefängnis gefoltert wird.

Auch wenn bisher keine Gründe für die Festnahme genannt wurden, scheint es als ob eine direkte Verbindung zwischen Mousas Verhaftunge und seinem Blog bestünde. Dort hatte der Journalist die syrische Regierung des Diktators Assad und die Wirtschaftspolitik des Landes kritisiert.

Mousa ist der zweite Blogger, der aktuell in Syrien inhaftiert ist. Er folgt damit Tariq Baiasi ((Blogger for Freedom » Arrested Bloggers: Tariq Baiasi)), der bereits seit July letzten Jahres ohne Gerichtsverhandlung einsitzt. Vor ihnen waren bereits mindestens drei syrische Blogger festgenommen wurden, die allerdings alle wieder auf freiem Fuß sind ((Blogger for Freedom » Arrested Bloggers)). Syrien ist bekannt für seine regelmäßigen Verstöße gegen die Menschenrechte und einen deutlichen Mangel an Pressefreiheit. Damit findet das Land auch immer wieder Eingang in die Jahresberichte der Reporter ohne Grenzen. In der letzten, im Februar erschienen Ausgabe ((Reporters without Borders » Annual Report)) heißt es, dass “die Filterung von Netzinhalten signifikant angestiegen” sei. Zu spüren bekamen das Blogger wie Tariq Baiasi, der aufgrund eines anonymen Kommentars auf seinem Blog verhaftet wurde.

Im Fall von Osama Edward Mousa handelt es sich allerdings nicht um einen wenig bekannten Blogger, sondern um einen Politjournalisten, der verhaftet wurde. Und anders als Baiasi wurden Mousa auch seine eigenen Texte zum Verhängnis. Auch wenn noch kaum Informationen über den Fall bekannt sind, zeigt er dennoch, dass das syrische Regime auch im Jahr 2008 nichts von Menschenrechten hält – und die Pressefreiheit weiter nicht akzeptieren wird.

Esra’a von Mideast Youth hat uns unterrichtet, dass Mousa am 8. März aus dem Gefängnis entlassen wurde ((Assyrian blogger arrested in Syria)). Weitere Informationen über die Haftgründe wurden bisher nicht bekannt.


Kampagne für seit sieben Monaten inhaftierten Blogger gestartet.

Februar 11, 2008

Tariq Baiasi ((Blogger for Freedom » Arrested bloggers: Tariq Baiasi)) sitzt nun schon seit mehr als einem halben Jahr hinter Gittern. Der Blogger wurde nicht vor Gericht gebracht – es gibt nicht einmal eine Anklage gegen ihn. Seit sieben Monaten. Zu lange, wie einige seiner Landsleute denken – die ihn nun mit einer Kampagne ((Free Tariq)) unterstützen wollen.

Tariq musste lange darauf warten, dass sein Fall Aufmerksamkeit erhält. Sieben Monate ist es nun her, dass der junge Computerhändler aus der Stadt Banyas von syrischen Sicherheitskräften entführt wurde. Ein Schicksal, das schon seinem Vater widerfuhr, der 20 Jahre lang als vermeintliches Mitglied der Muslimbruderschaft im Gefängnis saß. Der Sohn ist kein, auch kein vermeintlicher, Radikaler. Der von seinen Freunden als stiller, ruhiger Computerfreak beschriebene Dreiundzwanzigjährige hat nur ein Kommenter ins Internet geschrieben. In einem öffentlichen Forum kritisierte er den berüchtigten Sicherheitsapparates der Nahost-Diktatur – und wurde dafür am 7. July des letzten Jahres verhaftet. Seitdem hat niemand mehr etwas von ihm gehört.

Aber anders als die Verhaftungen anderer Blogger – wie Kareem Amer ((Free Kareem)) oder Fouad Al-Farhan ((Free Fouad)) – verursachte Tariqs Inhaftierung keinen internationalen Aufschrei. Er hatte nicht das Glück, kampagnenführende Freunde zu haben oder ein weltweit bekannter Topblogger zu sein. Es wurde still um den Fall Tariq Baiasi. Und die Stille dauerte monatelang – bis ein einzelner syrischer Blogger wieder damit begann, Artikel über Tariq zu veröffentlichen ((Global Voices Advocacy » Syrian bloggers campaign to free fellow blogger Tariq Biasi)). Nur wenige Wochen später gründete sich die Gruppe “Free Tariq” ((Free Tariq)).

Eine neue Gruppe in der langen Liste von Kampagnen, die sich um inhaftierte Blogger bemühen. Ich habe zwei der bekanntesten genannt, unsere Liste der Inhaftierten Blogger ((Blogger for Freedom » Arrested Bloggers)) enthält noch einige mehr. Man könnte argumentieren, dass diese Kampagnen, Gruppen und Demonstrationen nicht einen einzigen Blogger aus dem Gefängnis geholt haben. Kareem, Fouad sind noch immer im Gefängnis, Hu Jia wurde gerade erst nach zweijährigem Hausarrest verhaftet – und Tariq Baiasi wird nicht freigelassen werden, weil eine handvoll Blogger über ihn schreiben. Aber auch die Initiatoren von Free Tariq kennen diese Fragen und haben darüber ein Interview mit der syrischen Menschenrechtsaktivistin Razan Zeituna geführt ((Free Tariq » Syrian bloggers campaign to free fellow blogger Tariq Biasi)):

Free Tariq: Sind diese Kampagnen wichtig? Und wenn, in welchem Sinne?

Razan Zeituna: Diese Kampagnen sind sehr wichtig, vor allem, weil sie die Frage nach Redefreiheit aus dem Zweikampf zwischen Regimen und Menschenrechtsorganisationen herausreißen und sie zu einer öffentlichen Angelegenheit machen, die weitere Gesellschaftskreise interessiert. Und indem diese Kampagnen sich für Menschen einsetzen, deren Grundrechte und Freiheiten verletzt werden ziehen sie auch Aufmerksamkeit auf die Sache der Redefreiheit.
Außerdem war es lange Zeit so, dass Menschenrechtsverletzungen im Arabischen Raum ohne wirksame Aufmerksamkeit von Medien und Menschenrechtsgruppen stattfangen. Das ändert sich momentan; diese Kampagnen und die Art, in der sie symbolischen Druck auf die Regierung ausüben, geben den Individuen, deren Rechte verletzt werden, einen Teil dessen was sie verdienen und behandeln sie als Menschen mit Namen und Träumen… die Kampagnen personifizieren und vermenschlichen die abstrakten Fälle und überführen sie von verallgemeinerten in persönliche Bilder.

Freiheit ist nichts, was man über Nacht bekommen kann. Sie ist ein fortlaufender Prozess – und Menschenrechtskampagnen, ganz besonders, wenn sie sich auf die Rede- und Pressefreiheit, die “Freiheit, sich auszudrücken” (Freedom of Expression), konzentrieren – sind ein Teil dieses Prozesses. Gruppen wie “Free Tariq” mögen den Blogger, auf den sie sich konzentrieren, nicht befreien. Aber sie erreichen Aufmerksamkeit für die Bedeutung der Redefreiheit und sorgen dafür, dass sich ein öffentliches, allgemeines Bewusstsein für Menschenrechte entwickeln kann. Denn solange die Menschen nicht einmal von ihren Freiheiten wissen, können sie auch nicht nach ihnen verlangen. Aktivisten wie die Initiatoren von Free Tariq entwickeln diesen Menschen die Möglichkeit, überhaupt von ihren Rechten zu erfahren und befähigen sie, für ihre eigenen und die Freiheiten anderer zu kämpfen.


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