Free Fouad!

Januar 6, 2008

Free Fouad!


Blogschweigen für inhaftierten Fouad Al-Farhan

Januar 4, 2008

Free Fouad Al-FarhanSeit Wochen sitzt der wohl bedeutendste saudische Blogger Fouad Al-Farhan ohne Begründung in Untersuchungshaft. Die Ursachen scheinen klar zu sein: Mit kritschen Texten zu Politik und Gesellschaft übte er Druck auf die konservativen Kreise aus. Eine internationale Koalition bemüht sich um seine Freilassung – und ruft für den 6. Januar zum Blogschweigen auf.

Fouad Al-Farhan war gewarnt: Nicht nur, dass die saudischen Behörden sein Blog bereits von Februar bis Juli 2007 stillgelegt hatten ((Mahmood’s Den | Saudi Blogger Fouad Al-Farhan arrested)) – wenige Tage vor seiner Verhaftung kündigte er diese in einem Brief an seine Freunde an ((Saudi Jeans | Fouad’s letter)):

“Man hat mir gesagt, dass es einen offiziellen Befehl von einem wichtigen Mitarbeiter des Innenministeriums gibt, mich zu untersuchen. Sie werden mich irgendwann in den nächsten zwei Wochen mitnehmen.”

Dem vorausgegangen war nach seinen Angaben die Forderung, er solle sich entschuldigen – ohne zu nennen, wofür. Kurz darauf wurde der “Godfather” (“Pate”) der saudischen Blogosphäre in seinem Büro festgenommen und von den Sicherheitskräften an einen bis heute unbekannten Ort verbracht. Es ist das erste Mal, dass ein saudischer Blogger für seine Texte in Haft genommen wurde.
Am 1. Januar, drei Wochen nach der Verhaftung am 10. Dezember, wurde eine Stellungnahme des Innenministeriums bekannt. Darin heißt es, Al-Farhan werde zum “Verhör in einer nicht-sicherheitsbezogenen Anklage” festgehalten ((Arab News | Blogger does not face security charges)).

Die genauen Hintergründe der Festnahme sind damit weiterhin unklar. Fouad Al-Farhan selbst vermutete in seinem Brief vor der Verhaftung, seine Texte über politische Gefangene in Saudi-Arabien seien die Ursache der Anschuldigung, da er als Anführer einer Onlinekampagne zu deren Unterstützung gesehen werde ((Saudi Jeans | Fouad’s letter)):

“Die Ursache für das alle ist, dass ich über politische Gefangene hier in Saudi Arabien geschrieben habe und sie denken, dass ich eine Onlinekampagne führe, um deren Anliegen zu unterstützen. Alles was ich getan habe ist, ein paar Texte darüber zu schreiben und Banner zu setzen und andere Blogger zu bitten, das gleiche zu tun.”

Bei diesen politischen Häftlingen handelt es sich um eine Gruppe von Geschäftsleuten aus Jeddah, die wegen angeblicher Unterstützung von Terrorismus festgenommen wurden – laut ihrem Anwalt ist allerdings die geplante Gründung einer Menschenrechtsgruppe die tatsächliche Ursache der Verhaftungen ((Washington Post | Dissident Saudi blogger is arrested)).
Ein weiterer bekannter saudischer Blogger, Ahmad Al-Omran, vermutet auf seinem Blog Saudi Jeans, dass die wirklichen Gründe tiefer liegen ((Saudi Jeans | You got the wrong guy)):

“Ich habe keine Zweifel, dass König Abdullah auf eine Reformagenda drängt. Leider sind einige Elemente in der Regierung alles andere als glücklich mit dieser Agenda, weil sie befürchten, Macht und Status einzubüßen. Deshalb sind diese Elemente so bedroht durch Meinungsfreiheit und versuchen daher, diese Freiheit zu ersticken, selbst wenn das bedeutet, grundsätzliche Menschenrechte, nationale Gesetze und internationale Abkommen zu verletzen.”

Al-Omran bezieht sich dabei auch auf den kürzlichen Fall des “Qatif Girl”, der jungen Frau, die zuerst von fundamentalistischen Richtern verurteilt, später aber durch König Abdullah begnadigt wurde. Das hin und her in diesen Streit kann als deutliches Zeichen des innenpolitischen Machtkampfes in Saudi Arabien angesehen werden ((Saudi Jeans | Following the pardon)).

Wie im Fall des “Qatif Girl” ist auch bei der Inhaftierung von Fouad Al-Farhan das internationale Medieninteresse groß – ausführliche Berichte finden sich unter anderem von BBC, CNN, New York Times oder Washington Post ((Free Fouad | Fouad arrest all over the mainstream media)), in Deutschland dagegen berichten nur wenige Quellen in Kurzmitteilungen. Die Medien in Saudi Arabien schweigen über den Fall ((Mideast Youth | Who’s Fouad again?)).
Allerdings ist ein Nachgeben der Behörden aufgrund der Berichterstattung auch nicht zu erwarten. Zwar ließ ein General des Innenministeriuns verlauten, Al-Farhan werde nicht lange in Haft bleiben – das scheint jedoch, sollten die von Al-Omran genannten Beweggründe eine Rolle spielen, mehr als unwahrscheinlich.

Um den von Fouad Al-Farhan in seinem Brief geäußerten Wunsch, im Gefängnis nicht vergessen zu werden, zu erfüllen, haben Freunde das Blog “Free Fouad” ((Free Fouad)) gegründet, das auf Englisch und Arabisch über die Entwicklung des Falles berichtet. Gemeinsam mit anderen Plattformen haben sie eine Petition gestartet, mit der die Freilassung von Al-Farhan unterstützt werden soll ((Petition: Free Fouad Al-Farhan)).
Daneben rufen sie dazu auf, am 6. Januar alle Blogaktivitäten einzustellen und lediglich ein Banner auf der Seite zu zeigen, um weiter auf den Fall aufmerksam zu machen ((ZapBoom | Day of blog silence for Fouad)). Zwar steht nicht zu erwarten, dass die verantwortlichen Behörden auf eine derartige Aktion reagieren werden. Allerdings besteht die Hoffnung, das ein Eingreifen höherer Stellen eine Wende in diesem Fall einleiten könnte.

Was kann ich tun?

  • Um Fouad Al-Farhan zu unterstützen, kannst du die Petition hier unterzeichnen.
  • Außerdem bist du dazu aufgerufen, am kommenden Sonntag, den 6. Dezember dein Blog schweigen zu lassen und stattdessen nur eines der hier gezeigten Banner, möglichst mit Link auf die Seite Free Fouad, zu posten.
  • Die Unterstützer stellen verschiedenste Formen an Bannern zur Verfügung, die du in deinem Blog anzeigen lassen kannst. Darunter auch eines, dass im automatischen Wechsel Zitate aus einem von Fouads Blogposts, “Why do we blog?”, anzeigt, sowie die Anzahl der Tage, die er bereits im Gefängnis verbracht hat.

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